Nebenerwerbslandwirtschaft
Geschichte der Nebenerwerbslandwirtschaft
Schon im Spätmittelalter gab es die Kätner, die ohne Eigentum an landwirtschaftlichen Flächen die gemeinsamen Flächen (Allmende) mit nutzen durften. Das reichte allenfalls zur Haltung von ein paar Schafen oder einer Kuh, jedoch nicht zum Lebensunterhalt. Durch die Verkoppelung Ende des 18. Jahrhunderts wurden sie zu den Hauptverlierern. In der Folgezeit entwickelten sich Tagelöhner, die sich durch harte Arbeit etwas beiseitelegen konnten, zu Nebenerwerbslandwirten. Sie hielten sich dann häufig ohne eigenes Land Tiere, die sie an den damals wenig befahren Straßenrändern anpflockten.
Ein weiterer Hintergrund für die Entwicklung von Nebenerwerbsbetrieben war die Verkleinerung von landwirtschaftlichen Betrieben durch die Aufteilung der Ländereien im Rahmen der Erbschaften. Durch die damit verbundene Reduzierung der verbliebenen Flächen waren die Landwirte auf Zuverdienst angewiesen. Erst die Hoferbenordnung, die als Erbe des Hofes den ältesten Sohn bestimmte, beendete diese systematische Verkleinerung von landwirtschaftlichen Betrieben.
Nach dem 2. Weltkrieg bemühten sich häufig Flüchtlinge, die einen bäuerlichen Hintergrund in ihrer verlassenen Heimat gehabt hatten, hier auch eine bäuerliche Existenzgrundlage zu -schaffen. Durch harte Arbeit und vorhandenem „Knowhow“ gelang es vielen Stück für Stück Land und Viehbestand zu erwerben.
In der Bundesrepublik war und ist die Entwicklung der Nebenerwerbslandwirtschaft eng mit dem landwirtschaftlichen Strukturwandel verbunden („Wachsen oder Weichen“). Zunehmend konnten Kleinbauern ihren Lebensunterhalt mit ihren Höfen nicht mehr erwirtschaften und suchten sich Arbeit, z.B. als Zivilbeschäftigte bei der Bundeswehr. Damit ging eine Doppelbelastung in vielen Familien einher. Die Aufgabe von Vollerwerbsbetrieben wurde staatlich gefördert (z.B. durch Abschlachtprämien).
Aktuelle Situation: Höfesterben als Motor für Nebenerwerb
Immer mehr Landwirte müssen immer größere Anteile ihres Einkommens mit außerlandwirtschaftlichen Tätigkeiten erwirtschaften. Das heißt auch: Der Nebenerwerb wird immer wichtiger. Die Zahl der Landwirtschaftsbetriebe hat in Deutschland in den letzten 10 Jahren stark um 35.600 abgenommen. Die Zahl der Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von mehr als 100 Hektar stieg seit 2010 um etwa 4.500 auf rund 38.100 Betriebe an. Damit bewirtschaften 14 Prozent aller Betriebe 62 Prozent der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche in Deutschland.
Diese Entwicklung schreitet in großen Schritten voran: In Ellingstedt, wo 2020 noch 13 landwirtschaftliche Vollerwerbsbetriebe existierten, gibt es heute (2025) noch 5.
Was ist Nebenerwerb, was Haupterwerb:
Landwirtschaft oder erneuerbare Energie
Auch wenn sich diese Frage bei allen Nebenerwerbslandwirten stellte, gewinnt sie heute an zunehmender Relevanz.
Die landwirtschaftlichen Zusatzeinkommen kommen vor allem aus Arbeiten bei der Erzeugung von erneuerbarer Energie. (Solar und Windmüller)
Im Jahr 2020 gaben deutschlandweit rund 111.700 Betriebe (42 %) an, Umsätze aus zusätzlichen, auf dem Hof betriebenen Aktivitäten zu erwirtschaften. Im Jahr 2010 waren das nur 31 %. Bei mehr als einem Fünftel dieser Betriebe (21 %) trugen die Umsätze aus den zusätzlichen Einkommensquellen bereits die Hälfte oder mehr zum Gesamtumsatz des jeweiligen Betriebes bei, im Jahr 2010 traf dies erst auf 13 % der Betriebe zu.
Insbesondere die nicht unerheblichen Einnahmen aus der erneuerbaren Energie werden häufig zum Ankauf von landwirtschaftlichen Flächen oder auch ganzen Höfen genutzt und unterstützen somit den Konzentrationsprozess in der Landwirtschaft.
Fazit: Die Geschichte des Nebenerwerbs in der Landwirtschaft ist ein breites buntes Feld: Entstanden aus der existentiellen Not, häufig auch aus der Unfähigkeit sich aus der Landwirtschaft zu verabschieden bis hin zu neuen Geschäftsmodellen.
(Quellen: Lexikon des Agrarraumes)
Februar 2026 - Hans-Wilhelm Nielsen
Der Nebenerwerbsbetrieb der Familie Georg Schulz
Georg Schulz wurde 1923 in Klein Lienichen, Pommern, geboren. Mit seinen Eltern und seinem jüngsten Bruder Kurt trat er am 2. März 1945 die Flucht gen Westen an, während sich die beiden Brüder Emil und Walter noch im Kriegsgeschehen befanden. Am 27. März in Ellingstedt angekommen fand die Familie Schulz Aufnahme bei Mary und Frenz Frahm, Osterende.
1948 erhielt Georg Schulz eine Anstellung beim Landesmilchkontrollverband als Milchkontrolleur.
Im Dezember 1948 gaben Magda Neve und Georg Schulz ihre Verlobung bekannt. Wenige Tage vor Weihnachten 1949 heirateten sie. Im April 1950 wurde die Tochter Karin geboren, im Januar 1953 Tochter Annelie, im März 1956 Sohn Gerhard und im Juli 1961 Tochter Christa (verstorben 1998).
Zuerst wohnten Georg und Magda mit ihrer Tochter Karin im Hause des Kaufmannes Nickelsen, während Georgs Eltern weiterhin bei M. und F. Frahm, Osterende, ihre Unterkunft hatten. Der Wunsch der Familie Schulz war jedoch vereint unter einem Dach zu leben. 1952 erwarb Georg Schulz von der Witwe D. Ladewig ein auf Langacker gelegenes Haus, heute Langacker 19. Die Wohnverhältnisse waren beengt, da es im Nordteil des Hauses auch einen kleinen Stall gab, in dem der Platz für die Haltung eines Rindes und die Mast eines Schweines vorhanden war, darüber befand sich der Hühnerstall. Auf dem Nordgiebel des Hauses war auf dem Boden Lagerplatz für Heu und Stroh vorhanden. 1959 starb Georgs Mutter Anna.
Neben seiner Arbeit als Milchkontrolleur baute Georg Schulz einen landwirtschaftlichen Nebenerwerbsbetrieb auf. Im November 1955 erhielt er über das „Heifer-Projekt“ eine gespendete Färse. Da ihm Ländereien für die Gewinnung von Heu, Korn und Stroh aber auch für Steck- und Futterrüben fehlten, musste das Futter zunächst gekauft werden. Karin erinnert sich daran, dass ihr Opa in den Sommermonaten die Kühe am Straßenrand hütete, damit sie dort das Gras fressen konnten. Auch für die Fütterung der Hühner und der Mast eines Schweines wurde Futter benötigt.
1957 kaufte Georg Schulz 2 Hektar Land, teilweise Ödland, in der Nähe seines Hausgrundstückes. 1963 erfolgte der Neubau eines Stalles mit einer Größe von 8 x 6 Metern, er ist links im Fotohintergrund erkennbar. Hier war nun Platz für 4 bis 5 Kühe mit Jungvieh sowie zwei Schweinebuchten und Lagerplatz für Rüben, Heu und Stroh. Durch den erhöhten Arbeitsaufwand mussten seine Frau und seine Tochter Karin bei der Bewirtschaftung helfen. Gelegentlich übernahm seine Frau auch aushilfsweise Arbeiten als Milchkontrolleurin. Der zum Wohnhaus gehörende Stallteil wurde 1965 zum Badezimmer umgebaut.
Mitte der 1960er Jahre machte Magda Schulz den Führerschein und es wurde ein neuer VW-Käfer angeschafft, der auch für den Transport von Milchkannen und z. B. von Kälbern zum Einsatz kam.
1970 erlitt Georg Schulz einen schweren Herzinfarkt, der einen mehrwöchigen Krankenhausaufenthalt und eine anschließende Reha-Maßnahme erforderlich machte. Nur mit Hilfe ihrer Kinder, den Familienangehörigen und den Nachbarn gelang es Georgs Ehefrau, die landwirtschaftlichen Arbeiten zu erledigen. Georg musste fortan „kürzertreten“ und der Milchviehbestand wurde reduziert. 1971 starb Georgs Vater Gustav, der schon Mitte der 1960er Jahre nach Sieversdorf bei Malente zu seinem Sohn Emil gezogen war.
Den „Dolchstoß“ bezüglich der Aufgabe des Nebenerwerbsbetriebes versetzte die Schließung der Meierei in Ellingstedt zum 30. 4. 1975. Die Milch wurde nur einmal täglich abgeholt und musste gekühlt werden. Der Kauf einer Kühlwanne war sehr teuer. Die Ländereien wurden verpachtet.
Magda erhielt bei der Bundeswehr in der Truppenküche der Kropper Kaserne einen Arbeitsplatz und Georg wurde ziviler Mitarbeiter bei der Bundeswehr auf dem Flugplatz in Jagel.
Magda starb im Mai 2003 und Georg im März 2006.
Oktober 2025 – Günter Pieper