Das Heifer Projekt – die gespendete Färse aus Amerika
Das Heifer Projekt (Färsen Projekt) wurde 1944 von dem Amerikaner DAN WEST, im Bundesstaat Ohio beheimatet, gegründet. Das Projekt beinhaltet, dass Färsen und anderes Vieh zur Verfügung gestellt wurden, um Flüchtlinge in Europa auf kleinen Bauernhöfen wieder anzusiedeln. Jede Färse wurde im trächtigen Zustand übergeben, mit der Auflage, das erste weibliche Kalb an eine Flüchtlingsfamilie abzugeben.
Diesem Projekt war es zu verdanken, dass Georg Schulz im November 1955 eine gespendete Färse erhielt. Der Spender Paul Wampler war laut Verpflichtungsschein in Lebanon, Pennsylvenia, beheimatet. Die Spende war mit der Auflage versehen, das erstgeborene weibliche Kalb an eine bedürftige Person abzugeben. Damit erklärte sich Georg einverstanden.
Nachdem er den Bescheid für die Abholung von der in Deutschland zuständigen und in Kassel beheimateten Heifer Projektleitung erhalten hatte, holte er am 11. November 1955 die schwarzbunte Färse mit einem ortsansässigen Viehhändler und dessen Viehtransporter aus Neumünster ab.
In Ellingstedt wurde die Färse über die Viehverladerampe der Gastwirtschaft Landsmann oder Groth abgeladen und gewogen. Danach zog Georg mit ihr durch das Dorf nach Langacker, wo er von den wartenden Familienangehörigen sowie den Nachbarn empfangen wurde.
Die trächtige Färse erhielt den Namen „Vera“ und bekam ihren Platz in dem zum Wohnhaus gehörenden Stall. Trotz doppelwandiger Mauer zwischen Stall und Wohnung waren die Stallgeräusche im Haus allgegenwärtig. Die Familie Schulz tolerierte sie.
Im Oktober 2025 – Günter Pieper
In der folgenden Zeitungsannonce aus Mason in Michigan wird der Transportweg von Färsen beschrieben. So ähnlich wird es auch in Pennsylvania gewesen sein.
Aus dem Englischen übersetzt von Eva Kämmerer.
The Ingham County News
Mason, Michigan, Thursday, July 7, 1955
55 Färsen verlassen Mason in Richtung Deutschland
Mit einer Einzelfahrkarte verließen 55 Färsen Mason am Sonntagnachmittag in Richtung Deutschland, ihrer neuen Heimat. Sie wurden am Sonntagabend von Mason nach Delaware, Ohio, transportiert. Dort wurden sie nach einer Pause zur Fütterung erneut in Lastwagen verladen und nach New York gebracht, wo sie an Bord der SS Importer verladen wurden. Das Schiff sollte am Mittwoch einen deutschen Hafen anlaufen.
Die Färsen sollen an Flüchtlingsfamilien verteilt werden. Jede Färse wird gedeckt und ihr Kalb wird einer Flüchtlingsfamilie übergeben.
Etwa 200 Menschen kamen aus allen Teilen Michigans am Sonntagnachmittag, um an dem Zusammentreiben an einem zentralen Ort und ihrer Einweihung teilzunehmen. Die Zeremonie fand auf dem Messegelände von Ingham statt.
Dan E. Reed, Abgeordneter des Michigans Farm Büros und Vizepräsident von CROP, war Zeremonienmeister. Weitere Teilnehmer waren William D. Dexter aus Mason, Ingham, Vorsitzender von CROP; Thuri Metzger aus Nord Manchester, Indiana, Geschäftsführer vom Heiferprojekt (Färsenprojekt), Inc.; Rev. Samuel B. Wenger, Pfarrer von der Leslie Versammlungskirche; Rev. C. F. Badder, stellvertretender Superintendent (Kirchlicher Kontext: Ein "Superintendent" ist ein leitender Geistlicher in einem evangelischen Kirchenbezirk, der die Gemeinden und Pfarrer beaufsichtigt und begleitet.) aus Michigan von der Michigan Gemeindekonferenz; Rüssell Hartzler aus Lansing, Michigan, CROP Direktor; und Colin C. Hoffmann, Handelsattaché des deutschen Konsulats in Detroit.
Metzger erläuterte das Programm, das Färsen und anderes Vieh zur Verfügung gestellt hat, um Flüchtlinge auf kleinen Farmen in Europa wieder anzusiedeln. Er sagte, das Programm sei weitaus effektiver als Propagandapredigten. Hoffmann, der deutsche Konsularbeamte, drückte seine Dankbarkeit für die Färsen aus. Indem sie Flüchtlingsfamilien mehr Hoffnung geben, ihnen beweisen, dass sich die Menschen in den Vereinigten Staaten um die Notlage der Flüchtlinge kümmern, und so christliche Liebe verbreiten, ist das Geschenk der Färsen von weitaus größerem Verteidigungswert als eine Schiffsladung Atomwaffen, erklärte Hoffmann. Er zitierte Zahlen, die zeigen, dass Krieg und Friedensverträge 25.000.000 Menschen aus ihren Häusern vertrieben haben, insgesamt so viel, wie die gesamte Bevölkerung Spaniens. Er sagte, 200.000 bis 300.000 Menschen seien auf der Flucht gestorben. Zu den 50.000.000 Einwohnern Deutschlands, erklärte er, kämen 10.000.000 Deutsche hinzu, die aus Russland und anderswo in Europa vertrieben wurden. Die 10.000.000 Flüchtlinge seien mehr als die Bevölkerung Australiens, Dänemark und der Schweiz zusammen, fügte er hinzu.
Rev. Wenger, der Pfarrer aus Leslie, dankte Dr. L. Kraft und Frau Bert Annis aus Leslie und Dr. George R. Clinton aus Mason, die einen großen Anteil am Erfolg des Färsenprojektes vor Ort haben. Sieben der zehr Ingham-Färsen stammten aus der Clinton-Holstein-Herde, alle zu Schnäppchenpreisen, sagte Rev. Wenger.
Harold Glynn, Homer Launstein und Robert Oesterle leiteten das Bezirkskomitee des Färsenprojetes, Inc. Russel Kleis aus Lansing spendete eine Holsteinfärse. Herbert und Clarence Miller aus Williamston und Harold Glynn, Mason, waren weitere, die Färsen weit unter dem Marktpreis verkauften, berichtete der Pfarrer aus Leslie. Die Einheiten Dexter Trail Farmbüro, West Alaledon, Stockbridge, Lansing Delhi, Square Deal, Millville und Aurelius Center beteiligten sich am Kauf der Tiere. East Alaledon, Dunn, Cross Roads, Happy Hustlers, Okemos, Gunn, Tomlinson, West Locke und Sandhill 4-H Clubs leisteten einen Beitrag.
Die Okemos Community Kirche, eine Missionsgruppe, eine Frauengesellschaft und eine Jugendgemeinschaft halfen ebenso wie die West Alaledon Ladies.
Brittens Gemeindekirche, Jackson Gemeindeverband, Howell Baptist, Pontiac Erste Gemeinde, Clarksville Kirche der Brüder und viele andere Kirchen in Evart, Detroit, Clair Shores, Grand Blanc, Richmond, Mt. Cemens, Jackson, Three Oaks, Sunfield und waren unter den Spendern von Tieren in der Michigan-Lieferung. Vertreter vieler Kirchen waren am Sonntag in Mason, um an der Spendenaktion teilzunehmen.