Kinderbetreuung in der Gemeinde Ellingstedt
In einer umfassenden Recherche hat Petra Bargheer-Nielsen die Geschichte unserer örtlichen Kinderbetreuung erforscht und dokumentiert.
Auch in der Gemeinde Ellingstedt entwickelten sich Kinderbetreuungsmaßnahmen an den gesellschaftlichen Erfordernissen wie zum Beispiel den Veränderung der familiären Strukturen und den steigenden Arbeitsmarktanforderungen für auf Frauen.
Das Kinderstübchen
Ende der siebziger Jahre wurde in Ellingstedt bekannt, dass die Kirchengemeinde Hollingstedt ein Kinderstübchen unter der Leitung der Erzieherin Frau Nöhring betrieb. Auch im Amtsbereich und in der Stadt Schleswig gab es bereits Einrichtungen dieser Art, die sich um Kinder im Alter von 3 bis 5 Jahren kümmerten. Insgesamt geriet diese Zielgruppe immer mehr in den Focus von Eltern und pädagogisch Verantwortlichen und auch die Kirchenkreise intensivierten ihre Kinder- und Jugendarbeit in diese Richtung. So wurde beim Kirchenkreis Schleswig für seinen Bezirk Nord 1978/79 die gerade frisch ausgebildete Erzieherin Hannelore Nöhring eingestellt, die in den Kirchengemeindehäusern in enger Abstimmung mit den damals tätigen Pastoren (Süchting, Steffen, Friedrich, und Otremba ) 18 Angebote für zunächst die Altersgruppen 5 bis 8 und 8 bis 13 Jahren schuf. Sie berichtet, dass schon bald nach ihrer Dienstaufnahme der Bedarf an einem niedrigschwelligen Angebot für die unter fünfjährigen Kinder angemeldet wurde und sie im Jahr 1978 anfangs in Hollingstedt und kurze Zeit später auch in Ellingstedt jeweils an einem Tag in der Woche und bald danach zweimal wöchentlich in den Vormittagsstunden die sogenannten Kinderstübchen ins Leben gerufen hat. Unterstützung bei ihrer Arbeit habe sie von ehrenamtlich tätigen Müttern erfahren. Genannt sei hier stellvertretend Marga Thomsen. Die hohen Anmeldezahlen (15) bereits zum Start des Angebotes hätten den Bedarf bestätigt. Untergebracht war das Kinderstübchen zunächst im Jugendraum der Mehrzweckhalle. Dort wurden Tische beiseite gestellt, sowie Stühle gestapelt und an die Wand geschoben, um Platz zum Spielen zu schaffen. Später verlegte man das Kinderstübchen ins Schulhaus, in den Raum der Vorschule, welchen der Träger des Kinderstübchens, die Kirchengemeinde Hollingstedt, eigens dafür angemietet hatte. Gearbeitet habe man mit einfachen aber sehr effektiven Mitteln. Ferner weiß sie zu berichten, dass der Betrieb des Kinderstübchens in seiner damaligen Form von den verantwortlichen Stellen immer als eine Notlösung angesehen wurde, als ein Provisorium auf dem Weg zur einer „echten Kita“, wie sie in den umliegenden größeren Gemeinden am Entstehen und in den Städten bereits geschaffen waren.
Als Frau Nöhring (später Frau Schnoor) 1982 die Leitung des Kindergartens in Busdorf übernahm, trat an ihre Stelle die Sozialpädagogin Elke Biermann. Auch ihre Angebote wurden von Kindern und Eltern gerne angenommen und wertgeschätzt. Die Eltern beteiligten sich mit einem Beitrag von 10,00 DM an den Kosten und unterstützten die Arbeit von Frau Biermann regelmäßig. Die Betreuungszeiten fanden jetzt zweimal in der Woche vormittags, jeweils für zwei Stunden in einem Klassenraum der Vorschule statt. Zwischen dem Träger der Vorschule und der Kirchengemeinde wurde ein Nutzungsvertrag geschlossen. Dem Kinderstübchen wurde behördlicherseits ein Kinderspielplatz mit Umzäunung, ein zusätzlicher Toilettenraum und ein weiteres Waschbecken auferlegt. Der im August 1986 fertiggestellte Kinderspielplatz durfte auch öffentlich genutzt werden. In alten Protokollbüchern ist zu lesen, dass das Kinderstübchen 1000,00 DM an freiwilligen Leistungen von der Gemeinde Ellingstedt erhielt.
Als die Familie Biermann 1987 nach Schleswig verzog übernahm Antje Carstensen die Leitung des Kinderstübchens. Sie wurde unterstützt von Ronja Seemann und Kirsten Braun. Die Betreuungszeiten fanden jetzt an zwei Nachmittagen in der Woche statt. Eltern, die landwirtschaftliche Betriebe hatten, begrüßten diese neue Zeitregelung sehr. Die Arbeit von Frau Carstensen endete mit der Inbetriebnahme des Kindergartens.
(Quellen: Protokolle; Gespräche mit Marga Thomsen, Hannelore Schnoor, Elke Biermann, Ilse Bruhn, Kirsten Braun)
Vorschule
Im Januar 1972 beschloss der damalige Zentrale Schulverband Silberstedt einstimmig die Trägerschaft für die Grundschule Ellingstedt-Hollingstedt zu übernehmen. Die Gemeinden Ellingstedt und Hollingstedt hatten zuvor ihre Schulen zu einer gemeinsamen Grund- und Vorschule zusammengeschlossen und dem Schulverband unterstellt. Dessen Vertretung beschloß mit Beginn des Schuljahres 1972/73 die vorschulische Erziehung im Raum Ellingstedt- Hollingstedt durch Einrichtung von 2 Vorklassen mit Standort in Elllingstedt aufzunehmen. Ein Betrag von 30.000,00 DM wurde im Haushalt des Zentral Schulverbandes eingeplant.
Zeitgleich gründete sich in Ellingstedt die Elterninitiative „Vorschule“, die „die Errichtung, Einrichtung und Ausstattung mit Lehrkraft der Vorschule in Ellingstedt bis zum Beginn des neuen Schuljahres 1973!“ forderte. Die Eltern hatten Erfolg und die „Kindergärtnerin und Hortnerin“ (heute Erzieherin) Hildegard Ranisch wurde zum 3.10.1973 zunächst vom Zentralen Schulverband angestellt. Ein Jahr später am 1.5.1974 wechselte sie dann als Angestellte in den Landesdienst. Sie berichtet, dass alle Fünfjährigen aus Ellingstedt und Hollingstedt, die im Zeitraum vom 1.7.1967 bis zum 30.6.1968 geboren waren, Zugang zur Vorschule hatten. Es waren zu Beginn 24 an der Zahl. Gestartet ist dieser Jahrgang einzügig. Im Laufe der Jahre habe es aber immer mal wieder eine „Zweizügigkeit“ gegeben. 1991 zum Beispiel wurden 34 Kinder von den Erzieherinnen Ranisch und Sass betreut und unterrichtet. Es galt, sie an schulische Aufgaben heranzuführen. Zum Beispiel an schulische Strukturen wie: feste Zeiten ( „alle beschäftigen sich zur selben Zeit mit den gleichen Aufgaben“) und natürlich auch an Ferien. Täglich wurde 3 Stunden unterrichtet und die Eltern zahlten 30,00 DM im Jahr an Materialkosten. Beide Vorklassen waren zu Beginn noch im Jugendraum der Mehrzweckhalle untergebracht. Alsbald wurde aber ein Umzug der Landjugendgruppe in diese und gleichzeitig der Wechsel der Vorklassen in das Schulgebäude organisiert, wo sie bis zu ihrer Auflösung Ende 1991 beheimatet waren. Durch die räumliche Nähe fand ein guter Austausch mit den Lehrkräften der Grundschule statt. Der Besuch der Vorschule war freiwillig.
(Quellen: Protokollauszüge, Gespräch mit Hildegard Ranisch)