150 Jahre: unser Hof in Bockhöft
Zur Zeit des dänischen Königs Friedrich V. wurde 1761/62 die Kolonie Friedrichsfeld gegründet. Es kamen aus Süddeutschland Leute und bekamen hier Land zugewiesen. Die Landschaft bestand aus Moor-, Heide- und Wiesenflächen. Diese wurden von den Kolonisten urbar gemacht. Namen dieser Kolonisten sind heute noch in Friedrichsfeld vorhanden, z.B.: Oelerich, Freiberg und Mauderer.
Der erste Besitzer unseres Hofes in Bockhöft war ein Eichner. Genaueres wissen wir jedoch erst durch einen Kaufvertrag vom 30. Dezember 1844. Es verkaufte der Halbhufner Jürgen Hagge, Ellingstedt, dem Parzellisten Peter Friedrich Eichner bei Ellingstedt seine abgelegene ,,Flakenwiese" sowie ,,die Heide vor den Flakenoo. Beide Flurnamen werden heute noch in Flurkarten geführt. Die Flakenwiese war nach dem Erdbuch vier Tonnen, 1 10/16 Schipp groß und mit 2 Ton. 13/16 Schipp bonitiert. Die Heide vor den Flaken war 4 Ton 14/16 Schipp groß und mit 1 3/10 Schipp bonitiert.
Zu den königlichen Abgaben gehörten damals nach Angaben im Kaufvertrag:
1. Magazinkorn und Fouragelieferungen
a) ½ Tonne Roggen b) ½ Tonne Hafer
c) 50 Bund Heu d) 40 Bund Stroh
2. königliche Fuhren
3. Unterhaltung der öffentlichen Wege - Die Chausseekosten wurden nach dem Steuerwert berechnet
4. Reiterzulagegelder
Peter Friedrich Eichner verkaufte mit Kaufvertrag vom 15. Mai 1862 seine Parzellen an dem aus Morgenstern stammenden Hinrich Peper, meinem Vorfahren, und wanderte kinderreich nach Amerika aus. Hinrich Peper bezahlte für den Besitz 6.000 Reichsbanktaler.
In den folgenden Jahren wurde der Besitz einige Male vergrößert. Mit Kaufvertrag vom 6. Dezember 1871 erwarb Hinrich Peper das Grundstück ,,Düsterhörn" aus der Solarienhufe zu Ellingstedt, das 4 Ton 36 Schipp groß war, für 1.200 Reichstaler.
Diese Hufe wurde von den Besitzern Jürgen und Peter Plöhn und Klaus Naeve in Heidbunge verkauft. Sie wurde an zwei verschiedene Landbesitzer aufgeteilt. Im Kaufvertrag sind viele Familien aufgeführt, die in Ellingstedt und Umgebung noch heute beheimatet sind. Ebenfalls werden die damals gebräuchlichen Flurnamen noch heute gebraucht.
Am 30. März 1877 kaufte Peper von Franz Bothmann, Ellingstedt, das Grundstück , “Vor den Flaken“, das 9,4895 ha groß war und 780 Mark kostete.
Im Kauf- und Überlassungsvertrag vom 23. November 1892 überließ Hinrich Peper seinem Schwiegersohn Hans Thiesen aus Rosacker seinen Hof von 33 ha 92 qm mit einem Reinertrag von 108 55/100 Taler mit Gebäude und Zubehör für 5.000 Mark. In diesem Überlassungsvertrag wird den in Abnahme lebenden Eheleuten Peper und den Waisenkindern (von der Tochter Catharina Landsmann, geb. Peper³) ein genau beschriebenes Altenteil zugesagt.
Am Anfang des 1. Weltkrieges (1914) baute Hans Thiesen einen neuen Kuh- und Pferdestall. Zum ersten Mal wurde auf dem Besitz ein Gebäude mit Trempel und Hartdach erbaut. Die folgenden Kriegs- und Nachkriegsjahre brachten einen Stillstand für die Landwirtschaft.
1930 starb Hans Thiesen und hinterließ seinem Sohn Hermann den Betrieb. In den folgenden Jahren und während des 2. Weltkrieges traten wieder viele Veränderungen ein. So wurden die Ländereien dräniert und entwässert. Es wurden Maschinen angeschafft (Selbstbinder, Mähmaschine, Heuwender, Dreschmaschine usw.) die ausschließlich mit Pferden angetrieben wurden.
Da nach dem Krieg viele Heimatvertriebene mitversorgt wurden, brachten die Erträge keinen großen Gewinn. Erst nach der Währungsreform 1949 wurde auf unserem Betrieb gebaut und neue Maschinen angeschafft. So kam 1952 der erste Schlepper (Hanomag 22 PS) auf den Hof.
1958 heiratete mein Vater Hans Thiesen Else Jöns aus Hüsby und übernahm den Hof. Nun machten die Modernisierung und Technisierung auf unserem Hof Fortschritte. 1962 wurde der Schweinestall erneuert. Mein Vater baute 1966 ein neues Wohnhaus mit Abnahme. Der Betrieb wurde in der Zwischenzeit einige Male vergrößert. Die Flurbereinigung erbrachte viele Verbesserungen, wie den Bau von Teerstraßen und ein geregeltes Wassersystem (Entwässerung).
1974/75 wurde ein neuer Laufstall für Jungvieh und 1980 ein Boxenlaufstall mit Fischgrätenmelkstand errichtet. Die heutige Fläche des Hofes beträgt 56 ha. Davon sind 30 ha Grünland, 25 ha Ackerland und 1 ha Wald.
Quellen:
099. Kauf-Contract zwischen Jürgen Hagge und Peter Friedrich Eichner (30. Dezember 1844)
100. Kauf-Contract zwischen Peter Friedrich Eichner und Hinrich Peper (l5.Mai l362)
101. Auseinandersetzung der Solarienhufe in Ellingstedt (6. Nov. 1871)
102. Kauf-Contract zwischen Franz Bothmann und Hinrich Peper (30. Marz 1877)
103. Überlassungsvertrag zwischen Hinrich Peper und Hans Thiesen (23. November 1892)
Udo Thiesen
Anmerkung:
*³ Der ehemalige Baumeister Heinrich Landsmann in Schleswig war eines der Waisenkinder, ebenfalls Maria von Hove, geb. Landsmann, deren Tochter, die Lehrerin Lilli Gerstner, die vom 15. Sept. 1945 bis Okt. 1949 in der Schule Silberstedt unterrichtet hat.